FOOTBALL`S COMING HOME... UNSER GELIEBTER FUßBALL AUS DEN UNTEREN LIGEN


Berichte über unseren geliebten Amateur-Fußball aus dem Herzogtum Lauenburg, der Hansestadt Lübeck und der Verbandsliga Süd-Ost... und natürlich aus dem Mutterland des Fußballs...

Sonntag, 16. Mai 2010

Aufstiegssrunde zur Verbandsliga Süd-Ost

Die Kreisliga-Zweiten aus Stormarn (SSC Hagen Ahrensburg) und Ostholstein (MTV Ahrensbök) sowie der Dritte (Eintr. Groß Grönau) und Vierte (TSV Travemünde) der Kreisliga Lübeck/Lauenburg ermitteln in einer einfachen Runde am 12.06., 16.06., und 19.06. den fünften Aufsteiger in die Verbandsliga Süd-Ost. (Mannschaften Stand: 16.05.)

Torjubel einmal anders... aus Dänemark!

Wochenspiele



Breitenfelder SV – WSV Tangstedt 3:0 (1:0)


Ohne jegliche Gegenwehr kam der BSV zu einem verdienten Dreier. Von Beginn an hatten die Hausherren die Partie im Griff, mit einem abgefälschten Schuss erzielte Becker (26.) die Pausenführung. Die Stormarner spielten wie ein Absteiger, hatten nicht den Hauch einer Chance. Ein Doppelpack von Kruse (75., 76.) machte in der Schlussviertelstunde alles klar. Banthin (85.) verschoss dann noch den achten BSV-Elfmeter in dieser Saison. „Das war der bisher schwächste Gegner am Uhlenbusch, wir hatten keinerlei Probleme“, so Obmann Albrecht.



TSV Siems – TSV Lensahn 2:2 (2:1)


Trotz zwanzigminütiger zweifacher Überzahl spielten die Hausherren erneut nur Unentschieden. Safadi (16.) und Volkmann (35.) nutzten eine starke Halbzeit zur Führung, doch wie aus dem Nichts konnte Wudarczyk (39.) verkürzen. Als O. Knorr (67.) und Wudarczyk (68.) wegen Meckerns beide die Ampelkarte sahen, wähnten sich die Hausherren auf der sicheren Seite. Doch Ratzwill (83.) schockte die Siemser mit einem sehenswerten Freistoss. „Dieses Jahr bleibt uns nichts erspart, wir verpassten einen Riesenschritt Richtung Klassenerhalt“, war Trainer Anders sauer.




SV Heringsdorf – VfL Oldesloe 2:0 (0:0)


Aufgrund einer überzeugenden zweiten Halbzeit gewannen die Hausherren verdient. Bis zur Pause entwickelte sich eine ausgeglichene Partie, dann wurden die Gastgeber stärker und gingen verdient in Front. Gebert (60.) erzielte per Handelfmeter seinen 12. Saisontreffer, Gashi (79.) sorgte für die Entscheidung. Zu allem Überfluss sah Andy Baasch wegen Schiedsrichterbeleidigung noch die Rote Karte (85.) und wird dem VfL im Abstiegskampf bitter fehlen. „Die zweite Halbzeit ging klar an uns und wir nutzten dann auch unsere Möglichkeiten aus“, so Torschütze Marcel Gebert.




Preußen Reinfeld – BSSV 1-3

Nach guter Leistung und einem Blitzstart sichert sich der BSSV drei überaus wichtige Punkte. Der BSSV war von Anfang an die dominierende Mannschaft und erzielte drei frühe Tore. Nach zwei Standards, ausgeführt von Maik Heinrich, erzielten Steven Gleu (7.) und Bastian Tolle (9.) jeweils per Kopf die Tore für den BSSV. Nur drei Minuten später konnte Niklas Wedekind die Führung nach Flanke von Timo Schlichting ausbauen. Auch in der Folge spielte man weiter konzentriert und hatte den Gegner im Griff. Erst zum Ende der zweiten Halbzeit schaltete man einen Gang zurück und ließ dem Gegner die Chance ins Spiel zurück zu finden. Vor der Halbzeit musste sich der BSSV schlussendlich noch glücklich schätzen keinen Gegentreffer kassiert zu haben. In der zweiten Hälfte tat der BSSV wieder mehr für das Spiel und erarbeitete sich einige Möglichkeiten. Diese blieben jedoch ungenutzt, wodurch der Gegner noch immer seine Chance wähnte und mutig nach vorne spielte. Belohnt wurde dies durch ein sehenswertes Tor in der 82. Minute, welches am Spielausgang jedoch nichts mehr ändern sollte.

Fazit: Ein verdienter Sieg für den BSSV. Es bleibt zu hoffen, dass man diese Leistung auch in den nächsten Wochen abrufen kann um weiter erfolgreich auf Punktejagd gehen zu können.





GW Siebenbäumen – Eutin 08

Ja so kommt es, wenn der Gegner meint: Wir treffen auf eine Mannschaft, die sich aufgegeben hat und nach dem letzten Ergebnis nur noch die Höhe des Erfolges diskutiert. Diese Überheblichkeit wurde auf dem Platz nicht unbedingt sichtbar, aber die Äußerungen vor dem Spiel ließen doch die Erkenntnis zu, dass der Gegner unterschätzt wurde. Unsere Mannschaft jedoch wollte sich nicht wieder wie im letzten Spiel abfertigen lassen. Mit viel Einsatzfreude, Laufbereitschaft und guter Teamarbeit wurde sich von Anfang an gegen einen scheinbar übermächtigen Gegner gestemmt. So wurde sich auch das notwendige Glück in der einen oder anderen Situation erarbeitet. Latte, knapp vorbei oder oben drüber, das war die Ausbeute für die Eutiner. Was dann doch hätte "reingehen" können wurde von Marcel Braun gehalten.

Im Verlaufe des Spiels wurden wir immer ebenbürtiger, erspielten uns ebenso Tormöglichkeiten. Mit der zweiten Halbzeit legten unsere Spieler sogar noch zu. Eutin musste einsehen, dass es hier heute schwierig wird zu punkten. Jedenfalls wurden die anfänglich kontrollierten Spielzüge immer "wirrer", so dass nur noch wenig Gefahr für unser Tor entstand. Da sich unser Defensiv - Verhalten auch immer besser gestaltete, war nun die Zeit gekommen, selbst einen Treffer zu erzielen. In der 66. Minute wieder eine gelungene Spielkombination, Torben Bischkopf hatte den Mut aus 18 Metern "abzuziehen", der Ball schlug unhaltbar zum Führungs- uns Siegtreffer ein. Mit großem Einsatz und viel Leidenschaft von "innen und außen" wurde nun der Erfolg verteidigt.

Als der Schlusspfiff ertönte fiel allen ein großer Stein vom Herzen, warum??? Zum Ersten natürlich der Sieg, zum Zweiten: wir dürfen noch hoffen, zum Dritten: das erste zu null Spiel in dieser Serie und zu guter letzt: Wir haben gegen eine Mannschaft von oben gewonnen (Eutin vor dem Spiel Platz 3). Also ein wirklich toller Erfolg für die Mannschaft.



Ratzeburger SV – TSV Schlutup 2-1

Nach dem Derbysieg in Wentorf wollte die RSV-Mannschaft gegen den TSV Schlutup nachlegen und den nächsten Schritt in Richtung Klassenerhalt machen. Nach einer starken kämpferischen Leistung gelang dies mit einem 2:1-Heimsieg.

Das Spiel begann für die Hausherren so, wie man es sich wünscht. Mit dem ersten ernsthaften Angriff erzielte die Heimelf die frühe Führung. Jan Weluda spielte einen klugen Pass auf den völlig freistehenden Marc Fischer, der mit seinem ersten Saisontreffer das 1:0 erzielte (10.). In der Folge machte der RSV alles richtig. Man machte die Räume eng und verschob gut. Der Gast aus Schlutup biss sich an der gut organisierten Deckung des RSV die Zähne aus und hatte bis zur 36. Minute keine nennenswerte Szene. Dann vergab, nach einem Stellungsfehler in der Hintermannschaft der Gastgeber, Meier die einzige Möglichkeit der Gäste. Die Heimmannschaft hatte hingegen in der 15. Minute die Möglichkeit zu erhöhen, doch Jan Weluda verpasste ein Zuspiel von Sven Knuth knapp. Es ging mit einer verdienten Führung in die Halbzeitpause.

Nach der Pause versuchte der Gast aus der Hansestadt mehr Druck aufzubauen. Dies gelang den Gästen in den ersten zehn Minuten und in der 49. Minute hatten die Gäste die Riesenmöglichkeit zum Ausgleich, die der gute Ratzeburger Schlussmann Jens Nickel allerdings verhinderte. Der Gastgeber kam wieder besser ins Spiel und erzielte in der 63. Minute den verdienten 2:0-Führungstreffer. Marc Schmidt legte mustergültig für Tony Jaschkowiak auf, der nur noch zum 2:0 einschieben musste. Jetzt hatte der RSV reihenweise die Möglichkeit, das Ergebnis in die Höhe zu schrauben. Allein Sven Knuth vergab drei gute Möglichkeiten, fiel aber durch seine unglaubliche Laufleistung für die Mannschaft überaus positiv auf. In der Schlussphase versuchte der Gast noch einmal alles. Nach einem Eckball und einer Unachtsamkeit gelang ihnen noch der verdiente Anschlusstreffer ( 81.). Nach spannenden 90 Minuten pfiff der Unparteiische ab und man hatte wiederum einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht.

Fazit: Ein verdienter Sieg. Das ausgegebene Ziel Klassenerhalt rückt immer näher. Dafür fehlen aber noch ein paar Punkte. Mit dem nötigen Zusammenhalt und der Einstellung der letzten Spiele sollte das aber gelingen. Schon Samstag steht die nächste schwere Aufgabe bei AKM Lübeck an. Auch mit den Lübeckern hat man noch eine offene Rechnung...



Freitag, 14. Mai 2010

25 Jahre nach dem »Valley Parade Fire Disaster«


Der 11. Mai 1985 sollte als Feiertag in die Geschichte der englischen Stadt Bradford eingehen – und endete mit einer der schlimmsten Katastrophen der Fußball-Geschichte. 56 Menschen starben beim »Valley Parade Fire Disaster«.


Schönes Wetter sind die Einwohner von Bradford nicht gewöhnt. Hier, im Norden Englands, ist das Klima rau und der Regen ein ständiger Besucher. Am 11. Mai 1985 scheint die Sonne, die Luft ist warm. Ein wunderschöner Tag! Wie passend, denn die Stadt hat etwas zu feiern: Der Bradford City Football Club hat sich den Titel der Third Division gesichert, 48 Jahre lang hat die Stadt hungern und dursten müssen – jetzt werden die »Bantams« wieder in der Second Divison spielen. Und die halbe Stadt hat sich vorgenommen, das heute, an diesem sonnigen 11. Mai 1985, zünftig zu feiern. Auch Joyce Reisner ist auf dem Weg ins Valley Parade Stadion. Die 55-jährige Britin ist im sechs Meilen entfernten Wilsden geboren Für diesen besonderen Tag ist sie extra aus Hamm in Westfalen angereist. Gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Sabine Zech und Dezernent Reinhard Stadali ist sie eine von drei Ehrengästen aus Bradfords Partnerstadt in Deutschland. Joyce war ein Schulmädchen, als sie auf einem deutsch-englischen Schüleraustausch Jockel Reisner kennenlernte – aus der Jugendliebe wurde eine Verbindung fürs Leben, das Paar hob später die Städtefreundschaft zwischen Bradford und Hamm aus der Taufe. Am 11. Mai ist sie wieder in der Heimat. »Das Wetter war herrlich und die ganze Stadt war in Volksfeststimmung. Jeder wollte zu diesem Spiel im Valley Parade.« Joyce Reisner und ihre deutschen Begleiter gehören zu den letzten Gästen, denen der Klub Tickets hinterlegt.



Um 15 Uhr Ortszeit pfeift Schiedsrichter Don Shaw die Partie an. Lincoln City ist zu Gast in Bradford. Auch auf dem Rasen herrscht Stimmung wie auf einem Betriebsausflug. Für Lincoln ist die Saison ebenfalls vorzeitig beendet, der sichere Mittelfeldplatz bedeutet die Erfüllung sämtlicher Saisonziele. Es geht um nichts mehr. Die Kassen zählen 11.076 Zuschauer, doppelt so viele wie beim bestbesuchten Spiel der gesamten Saison. Bradfords Kapitän Peter Jackson, ein Sohn der Stadt, stemmt vor den johlenden Massen die Champions Trophy. Die Mannschaft entrollt ein Spruchband: »THANK YOU FANS!« und läuft eine Ehrenrunde. Stuart McCall ballt die Faust und grüßt seinen Vater auf der Haupttribüne. Vater McCall platzt fast vor Stolz. Mit ihm sitzen an diesem Nachmittag noch 3000 andere Menschen auf der hölzernen Tribüne. Joyce Reisner ist eine von ihnen. »Um uns herum waren vor allem Familien. Kleine Kinder, Frauen, alte Männer. Viele von ihnen waren das erste Mal in einem Fußball-Stadion.« Heute sind sie alle da. Wie Martin Fletcher, 12 Jahre alt. Neben ihm sitzt der ganze männliche Fletcher-Clan. Sein Bruder Andrew, Vater John, Onkel Peter und Eddie, Martins Großvater. Die Fletchers stampfen mit ihren Füßen auf die Holz-Bohlen, als das Spiel beginnt.


Das Valley Parade Stadion ist für europäische Groundhopper ein echter Hingucker. Seit der Fertigstellung 1911 hat sich am Valley eigentlich nichts geändert. Die Haupttribüne, ein hölzerner Koloss, gehört zu Bradfords Wahrzeichen. Anfang der achtziger Jahre werden allerdings Warnrufe laut, das Stadion sei längst überfällig für eine Renovierung. Fans bemängeln, dass der Klub keine Mülleimer auf der Tribüne aufgestellt hat. Der Abfall vieler Spieltage hat sich unter der hölzernen Konstruktion angehäuft. Im Juli 1984 fordert ein Team aus Bauinspekteuren den sofortigen Umbau. »Eine unachtsam weggeworfene Zigarette könnte ein Feuer auslösen.« Die Antwort heißt Stahl. Gleich nach Saisonende will der Aufsteiger mit den Renovierungsmaßnahmen beginnen. Die Träger für die Haupttribüne liegen schon bereit, gleich neben dem Parkplatz. Aber am 11. Mai 1985 soll keine Baustelle, kein Absperrband die Party zerstören. Den größten Vereinserfolg seit fast 50 Jahren will man auf der historischen Bühne feiern.



40 Minuten sind in Bradford gespielt. Immer noch steht es 0:0. Ein trüber Kick, aber die Zuschauer feiern ihre eigene Party. Joyce Reisner verfolgt das Spiel trotzdem mit voller Aufmerksamkeit. Die Britin liebt Fußball, ebenso wie ihr Mann Jockel. Doch den Künstler aus Hamm hat sie in Deutschland gelassen – er hat an diesem Tag selbst ein wichtiges Fußballspiel. Die deutsche Delegation bekommt Besuch: Ein Offizieller des Vereins steht auf den Stufen und wedelt mit den Armen, Tee und Kekse für die Gäste aus Germany sind im Vereinsheim angerichtet. »Es waren noch fünf Minuten zu spielen«, erinnert sich Joyce Reisner, »ich wollte noch nicht gehen.« Letztlich siegt Höflichkeit vor Begeisterung. Als sie sich von ihrem Platz erhebt, sieht sie Rauch aufsteigen aus dem Bauch des hölzernen Sitzplatz-Ungetüms. Wenige Meter vor ihr kriecht der Qualm aus den Ritzen. »Das war mir nicht geheuer, aber gleich daneben stand ein Polizist. Ich war mir sicher, dass das Problem gleich wieder beseitigt sein würde.« Der Gast aus Deutschland folgt dem freundlichen Herren aus Bradford ins Vereinsheim.


Martin Fletcher sitzt mit Bruder, Vater, Onkel und Großvater weiterhin auf der Tribüne. Der Qualm wird jetzt stärker, junge Polizisten bitten nun auch die Fletchers, ihre Plätze zu verlassen. »Ich war mir sicher, dass die Feuerwehr das kleine Feuer schnell wieder beseitigen und uns wieder auf unsere Plätze lassen würde«, sagt der junge Stadionbesucher später. Martin und seine Familienmitglieder verlassen ihren Bereich und werden in Richtung der schon überfüllten Stufen gedrängt. Als sich der Zwölfjährige umdreht, zischen meterhohe Flammen an den Plastiksitzen empor. »Unwillkürlich fing ich an zu fluchen, mein Vater zog mir am Ohr.« Erst jetzt beendet Schiedsrichter Don Shaw das Spiel, die Stadionuhr zeigt 15:41 Uhr an. Die Fußballer auf dem Rasen sehen dichten Qualm und Flammen. Die Tribüne brennt. Stuart McCall sucht seinen Vater. Er findet ihn nicht.




Christopher Hammond, ein junger Bradfordian, steht mit seinem Vater Tony nur wenige Meter von den ersten Feuerstößen entfernt. Seine Füße werden langsam heiß. Er sieht eine große Gruppe Anhänger, die sich in Richtung des hinteren Teils der Tribüne flüchtet. »Glücklicherweise wurden wir mit anderen Fans nach unten gedrückt. In Richtung des Spielfelds.« Tony Hammond schnappt sich seinen Sohn. Normalerweise sitzen er und Chris auf der anderen Seite des Stadions, die Tickets für den Main Stand hatte er nur auf Drängen seiner Frau gekauft. Dort sei es sicherer. Tony wirft seinen Jungen über die Bande auf das Spielfeld, bloß weg von der Hölle, die vor wenigen Minuten noch eine Sitzplatztribüne war. »Er hätte sich den Arm brechen können«, erinnert er sich später, »aber alles, was ich wollte, war, ihn hier raus zu schaffen. Und als ich ihn raus bekommen hatte, dachte ich: `Du wirst hier nicht lebendig rauskommen´.« Um 15:43 Uhr geht in der Feuerwehrzentrale von Bradford ein Notruf ein. Valley Parade brennt. Viele der Kollegen sind längst im Stadion – vor den Anpfiff hatten sie Eintrittskarten für ein Benefizspiel am Tag nach dem Saisonfinale verkauft. Die Feuerballen auf der Haupttribüne haben längst das Dach erreicht. Die Mischung aus Harz und Pech der Dachpappe sind ein grausames Gemisch – in Sekunden verwandelt sich die komplette Tribüne in ein explodierendes Feuermeer. Giftiger schwarzer Qualm taucht das komplette Gelände in eine todbringende Nebelsuppe. Der Rauch strömt den flüchtenden Menschen in die Nasen und Münder. 43 Menschen sterben an Rauchvergiftung. »Der Qualm war das Schlimmste«, sagt Joyce Reisner, die Britin aus Deutschland.



Reisner und ihre Begleiter rennen. Die plötzliche Hitze hatte Scheiben im Klubhaus splittern lassen, die Menschen werden panisch. Ein junger Steward weist dem Trio aus Hamm einen Weg in die Freiheit. Im Laufschritt erreichen sie schließlich den Platz vor dem Stadion, sie rennen weiter. Das Klubhaus steht in Flammen. »Mein Mann hat mich in Hamm immer zum Joggen mitgenommen. Später haben wir gewitzelt: Er hat mir das Joggen beigebracht, damit ich aus dieser Hölle flüchten konnte.« Schwarzer Humor gegen die Erinnerungen. Viele ihrer Tribünennachbarn hatten nicht mal die Chance zu flüchten – das gewaltige Feuer hatte ihre Körper auf den Plastikstühlen fest geschmolzen. Martin Fletcher ist noch auf der Tribüne. Wo ist seine Familie? Er brüllt nach seinem Vater und bekommt keine Antwort. Ein Pulk von Menschen reißt den zwölfjährigen Fußball-Fan mit und findet endlich einen offenen Ausgang. Inmitten von panischen Körpern wird Martin auf den Rasen gespült und damit in Sicherheit. Einige Fans brennen an Haaren und Jacken, sie wälzen sich wie Käfer auf dem Rasen. Einige Meter entfernt schlendert ein alter Mann durch den Strafraum. Er steht komplett in Flammen. Andere Fans stürzen sich auf die menschliche Fackel und versuchen mit ihren Jacken das Feuer auszuschlagen. »Er sah aus, als würde er einen kleinen Spaziergang machen«, berichtet später ein Augenzeuge unter Tränen, »er schien einfach nicht zu realisieren, was mit ihm geschah.« Die TV-Kameras filmen die unwirkliche Szenerie, die Bilder gehen live in das ganze Land. Alle Hilfe kommt zu spät – der Mann stirbt Stunden später im Krankenhaus an seinen schweren Verbrennungen. Martin Fletcher sieht die Szene nicht. »Gleich als wir in Sicherheit waren, wurde uns gesagt, dass jeder auf der Tribüne erfolgreich hätte fliehen können.« Zwei Tage später werden vier weitere Leichen identifiziert. Es sind Andrew, Edmond, John und Peter Fletcher.


Christopher Hammond hat Glück – er sieht seinen Vater lebendig wieder. Nachdem er seinen Sohn wie einen Rucksack über die Bande geworfen hatte, rettet sich auch Tony Hammond. »Ich war mir sicher, dass mein Haar in Flammen stehen würde. Ich schrie Chris an, er solle es löschen, aber er sagte mir: ´Dad, du brennst nicht.´.« Das Vater-Sohn-Pärchen verlässt den Ort des Schreckens. Die Luft stinkt nach Qualm und Tod. Als sie zu Hause ankommen, treffen sie auf die völlig ahnungslose Mutter. »Sie hatte das Spiel nicht gesehen und wusste nicht, was los war.« Tony muss ins Krankenhaus, einige Verbrennungen sind doch zu stark. Im Warteraum fragt er seinen Nebenmann nach dessen Verletzungen. »Er erklärte mir, dass er seine Brille nicht mehr bewegen könne. Sie sei ihm durch die Hitze in Nase und Ohren eingeschmolzen.« Tony Hammond verlässt das Krankenhaus wieder. »Spätestens da merkte ich, wie viele Menschen die ärztliche Hilfe nötiger hatten als ich.« Am Ende zählen die Helfer mehr als 265 zum Teil schwer verletzte und zur Unkenntlichkeit verbrannte Personen. Im Stadion sucht Bradford-Spieler Stuart McCall noch immer seinen Vater. Endlich findet er ihn. Schwer verwundet, einen notdürftigen Verband um den Kopf, Arme und Brust. Aber er lebt.



Erst als der letzte Funken verloschen ist, wird in Bradford das Ausmaß der Tragödie sichtbar. Die Haupttribüne ist komplett abgebrannt und hat 56 Menschen das Leben gekostet. Erstickt, verbrannt, erdrückt. Eine noch glimmende Zigarette, die in einem Plastikbecher achtlos zwischen die Holzbohlen geworfen wurde, so das Gutachten, habe im unter der Tribüne angehäuften Müll ein Feuer verursacht. Alle Versuche, den Brand noch im Keim zu ersticken, scheiterten auch daran, dass sämtliche Feuerlöscher in Sitzplatznähe vor dem Spiel abmontiert worden waren. Aus Angst vor Vandalismus. Das trockene Holz entwickelte sich in wenigen Minuten zu einem riesigen Flächenbrand, die leicht entzündbare Dachpappe verursachte Explosionen, Feuerballen und brennende Teerfetzen, die von oben auf die flüchtenden Fans tropfte. Viele der Toten hätten trotzdem gerettet werden können – wenn nur die Ausgänge nicht versperrt gewesen wären. Die meisten Opfer waren vor geschlossenen Eisen-Drehkreuzen in tödliche Fallen gelaufen.

Das als »Valley Parade Fire Disaster« in die Fußball-Geschichte eingegangene Drama jährt sich heute zum 25. Mal. In Bradford werden Tausende den Toten gedenken – und auch den Helden. Die Geschichte vom 11. Mai 1985 ist auch eine der menschlichen Nächstenliebe. Fußballer, die Zuschauern auf den sicheren Rasen halfen und sich dabei selbst starke Verbrennungen zuzogen. Junge Hardcore-Fans, die brennenden Rentnern die Flammen auf Köpfen und Jacken löschten und kleine Kinder aus der Gefahrenzone schafften. »Ich sah junge Punks, die sich schon gerettet hatten und noch mal auf die brennenden Tribünen liefen, um anderen Fans zu helfen«, erinnert sich Joyce Reisner. Auch sie wird heute in Bradford sein, gemeinsam mit ihrem Mann, der ein Denkmal für die Toten gestaltete. Die Skulptur steht in zweifacher Ausführung jeweils vor dem Rathaus von Bradford und Hamm. Die Hilfe der Mitbürger und entsetzten Zuschauer vor dem Bildschirm war schon wenige Tage nach der Katastrophe einzigartig. 48 Stunden nach dem Brand hatte man bereits einen Hilfsfond eingerichtet. Als Folge aus den unzähligen Verbrennungsopfern richtete die University of Bradford die »Plastic Surgery and Burns Research Unit« ein – heute gehört die Spezialklinik für Hauttransplantationen zu den besten der Welt. Mit sichtbaren Erfolg. Joyce Reisner erzählt die Geschichte einer Frau, die am 11. Mai 1985 mit zehn Jahren von Kopf bis Fuß schwerste Verbrennungen erleiden musste – inzwischen arbeitet sie als Stewardess bei der Fluglinie KLM.

Wie viele seelische Narben das Desaster von Bradford hinterlassen hat, kann 25 Jahre danach niemand sagen. Martin Fletcher, der Junge, der vier Familienmitglieder verlor, wurde in den Jahren nach dem Unglück auch seiner Jugend beraubt. Tragödien brauchen Helden und die englische Presse machte Martin Fletcher zum unschuldigen Gesicht der Überlebenden. »Die Presse feierte mich als ´tapfersten Jungen Großbritanniens´, vier Jahre fand ich mein Gesicht beinahe wöchentlich in irgendwelchen Zeitungen.« Das Schicksal hat es dem Fußball-Fan auch später nicht einfach gemacht: Im April 1989 ist der Nottingham-Supporter wieder bei einem Fußball-Spiel. Forest spielt gegen den FC Liverpool. Das Stadion heißt Hillsborough…


Donnerstag, 13. Mai 2010

VERBANDSLIGA SÜD-OST



WSV Tangstedt – VfL Oldesloe 2:2 (1:0)


Nach dem enttäuschenden Remis haderte WSV-Trainer Manfred Lorenz mit der Chancenverwertung seines Teams. „Leider haben wir die entscheidenden Szenen nicht konsequent abgeschlossen. Bitter, dass wir dann jeweils im direkten Gegenzug die Tore kassierten“. Oliver Hirschlein besaß die große Möglichkeit zur Führung, scheiterte aber knapp. Im direkten Gegenzug machte es der VfL besser, Tobias Wriedt (30.) ließ sich seine Chance dagegen nicht entgehen. Nach dem Wechsel stemmte sich der WSV mit Erfolg gegen die drohende Niederlage, Timo Heinrich (57., Handelfmeter) und Andre Bohlke (79.) drehten die Partie. Doch wiederum Hirschlein (82.) vergab das 3:1 und die dadurch mögliche Vorentscheidung. Und wieder wurde der Gastgeber dafür bitter bestraft, im direkten Gegenzug glich Andy Baasch (83.) nach einer Ecke nicht unverdient aus. „Bei Standards sind wir zurzeit sehr anfällig. Aber im Training können wir das ja nicht verbessern, wir spielen ja nur noch“, sagte Lorenz mit einem ironischen Unterton.


Tangstedt: Martens – Neiber, Mc Cann (46. Helmchen), Feddersen-Clausen (56. Muandula), Stein – Heinrich, Sharma, T. Regel-Riebling, Lazarov, Bohlke – Hirschlein.



Breitenfelder SV – Strand 08 1:4 (0:4)


Auch der BSV konnte die Strander auf ihrem Weg in Richtung SH-Liga nicht stoppen und kassierte eine verdiente Niederlage. Breitenfelde war überraschend defensiv eingestellt, bot mit Daniel Kruse nur eine Spitze auf. So hatten die Strander viel Raum, um ihr gutes Offensiv-Spiel zu präsentieren. Schon nach fünf Minuten war die BSV-Taktik über den Haufen geworfen, per Kopfball erzielte Jan Stahl aus elf Metern die Führung. Bevor sich die BSV-Abwehr wieder richtig ordnen konnte, stand es schon 0:2. Breitenfelde schaffte es mit mehreren Versuchen nicht, den Ball aus der Gefahrenzone zu bringen. Phillip Baasch (8.) nutze diese Unsicherheit zum zweiten Treffer. Und der rabenschwarze Tag der Hausherren ging weiter. Riza Karadas (23.) zielte aus knapp dreißig Metern genau in den rechten Winkel, bevor er aus dem Gewühl heraus seinen zweiten Treffer (28.) und das 100. Saisontor der Timmendorfer erzielten konnte. Nach dem Wechsel schaltete der Spitzenreiter sichtbar einige Gänge zurück und verwaltete geschickt das Ergebnis. Kruse (50.) gelang lediglich die Ergebniskosmetik. „Taktisch war das heute ein Scherbenhaufen“, kritisierte Obmann „Freddy“ Albrecht die BSV-Leistung. „Auch bei Standards waren wir heute sehr anfällig“.


Breitenfelde: Hansen – S. Siemers, Schönfeldt, Lukaszczuk, Banthin (75. J.-A. Siemers) – Henning, Schwan, Becker, Biallas, Khartey – Kruse.


Strand: Berndt – Goebel, Rehberg, Borja, Gohrke (80. Kähler), Plähn, Stahl, Schlichte (70. Starke), Baasch, Zeh, Karadas.




RW Moisling – TSV Bargteheide 4:0 (3:0)


Von Beginn an übernahmen die Rot-Weißen das Kommando und waren am Brüder-Grimm-Ring stets Herr der Lage. Die Kohlmann-Elf untermauerte sehenswert ihre starke Form, kam gegen überforderte Gäste zum sechsten Heimsieg in Serie. Schon nach fünf Minuten setzte sich Kolja Grant eindrucksvoll in Szene, ließ Keeper Andre Phillip keine Abwehrchance. Moisling agierte effektiver und zweikampfstärker, war dem Gegner immer einen Schritt voraus. Nach einer Flanke von David Senghore köpfte Faruk Dogan (21.) unbedrängt zum 2:0. „Wir haben Bargteheide schnell den Schneid abgekauft und über neunzig Minuten Vollgas gegeben. Ein verdienter Sieg“, sagte RW-Manager Bernd Schuld begeistert. Grant (41.) markierte mit seinem zweiten Treffer schon vor der Pause die Vorentscheidung. Nach dem Wechsel machte der Gastgeber weiter Druck und erspielte sich reihenweise Möglichkeiten. Doch nur Dogan (50.) konnte Phillip noch überwinden. Bei den Moislingern verdienten sich Grant, Dogan und Dennis Akar Bestnoten, beim TSV konnte nur Kevin Ihns überzeugen. In Breitenfelde wurde der Torschütze falsch übermittelt, Marco Barten sorgte mit einem tollen Fernschuss für den verdienten Ausgleich.


Moisling: Ketbanjong – Kohlmann, Akar, Akcasu (63. H. Azzez), Haye, M. Bornemann, Dogan (73. Schütte), Grant, J. Bormenann (46. Jakubiak), Barten, Senghore.


Bargteheide: Phillip – D. Behnk (46. Schaft), Westphal – Kukanda, Strusch (53. Dörling), Teichmann, Fürstenberg, Heinz, Stiller, Witzke (28. Klötzner) – Ihns.




Preußen Reinfeld – TSV Siems 0:0


Für die Preußen - mit Stefan Rosema für den dienstlich verhinderten Alexander Ciesler zwischen den Pfosten - reichte es gegen die Remiskönige aus Siems (10) wieder nur zu einem Punkt. Schon das dritte Heimspiel in Serie spielte man nur Unentschieden, in der aktuellen Situation eindeutig zu wenig für die Karpfenstädter. „So kommen wir da unten nicht raus“, sagte Trainer Matthias Krienke, „mit dem Remis kann der TSV besser leben als wir“. Reinfeld war über weite Strecken das bessere Team, agierte aber vor dem Tor nicht zwingend genug. Torben Döhring (38.) hatte die beste Chance der Gastgeber, traf aber freistehend vor dem Gehäuse nur Keeper Sascha Reger. Die Lübecker, die immer wieder geschickt das Tempo aus der Partie nahmen, hatten erst in der Schlussviertelstunde erste Möglichkeiten. Die beste Chance ließ Mirco Niels (72.) liegen, als er aus kurzer Distanz an die Latte köpfte. Zwei Minuten später hatte Dennis Schuhmacher die letzte Möglichkeit, sein Kopfball strich knapp am Tor vorbei.


Reinfeld: Rosema – Beeck, To. Kutschke, Sagwan – Döhring, Metzner, Funke (80. Schaper), Lorenz (80. Heinemann) – Witten, Dordowsky (62. Mehlfeld), Sauer.


Siems: Reger – Hennings (88. Tafazoli), T. Laske, Thomaschewski, Mi. Niels, Safadi, Weber, Schellhammer, Schwenn (65. Kraft), Schuhmacher, Volkmann.




GW Siebenbäumen – Möllner SV 0:8 (0:4)


Mit einem auch in der Höhe absolut verdienten Kantersieg schossen die Möllner die Grün-Weißen in eine fast aussichtslose Lage. Zwar ist für die Hausherren rechnerisch noch alles möglich, doch verlieren sie auch nicht die Realität aus den Augen. „Mölln war uns in Allem überlegen. Ob technisch, läuferisch oder spielerisch. Da wurden uns ganz klar unsere Grenzen aufgezeigt. Vielleicht ist das am Ende halt zu wenig, um die Klasse zu halten“, analysierte Claus Singelmann die Partie. Die ersten zwanzig Minuten hielt GWS gut mit, lag aber schon nach 30 Sekunden zurück. Eugen Wolowik sorgte mit dem ersten Angriff für einen Auftakt nach Maß. In der 20. Minute wurde es dann hektisch. Lekso Ostati glich aus, doch nach endlosen Sekunden entschied Schiedsrichter Böck nach Rücksprache mit seinem Assistenten urplötzlich auf Abseits. Doch anstatt auf Freistoss für Mölln zu entscheiden, gab es zur Verwunderung aller Beteiligten Schiedsrichterball. „Eine absolute Frechheit und eine totale Fehlentscheidung. Das hört sich sicher komisch an, aber das war für uns der Knackpunkt. Da hat der Schiri uns den Zahn gezogen“, war der Trainer sichtlich in Rage. Mölln nutzte die nun folgende Verunsicherung der Gastgeber konsequent aus. Sascha Stange (25., 29.) und Wolowik (33.) erzielten schon vor der Pause die Entscheidung. Auch nach dem Wechsel ließ die MSV nicht locker und hatte weiterhin leichtes Spiel. Stange (59.) mit seinem dritten Streich, Valeri Scerbinin (62.), Artur Schefer (90.) und Rick Latus (90.+2) schossen den höchsten Saisonsieg heraus.


Siebenbäumen: Nasaczewisz – Kindler (46. Villareal), Urban (46. Bischkopf), Kutlus – Schönborn, Ostati (60. Geisler), Schulz, Retelsdorf, Bernet – Konan, Schlichting.


Mölln: Ruhr – Sembritzki, Hahn (70. Montevirgin), El Sabe, Sanogo (76. Hueseyin) – Schefer, Scerbinin, J. Jahnke, Krefta – Stange (81. Latus), Wolowik.