FOOTBALL`S COMING HOME... UNSER GELIEBTER FUßBALL AUS DEN UNTEREN LIGEN


Berichte über unseren geliebten Amateur-Fußball aus dem Herzogtum Lauenburg, der Hansestadt Lübeck und der Verbandsliga Süd-Ost... und natürlich aus dem Mutterland des Fußballs...

Freitag, 14. Mai 2010


Erst als der letzte Funken verloschen ist, wird in Bradford das Ausmaß der Tragödie sichtbar. Die Haupttribüne ist komplett abgebrannt und hat 56 Menschen das Leben gekostet. Erstickt, verbrannt, erdrückt. Eine noch glimmende Zigarette, die in einem Plastikbecher achtlos zwischen die Holzbohlen geworfen wurde, so das Gutachten, habe im unter der Tribüne angehäuften Müll ein Feuer verursacht. Alle Versuche, den Brand noch im Keim zu ersticken, scheiterten auch daran, dass sämtliche Feuerlöscher in Sitzplatznähe vor dem Spiel abmontiert worden waren. Aus Angst vor Vandalismus. Das trockene Holz entwickelte sich in wenigen Minuten zu einem riesigen Flächenbrand, die leicht entzündbare Dachpappe verursachte Explosionen, Feuerballen und brennende Teerfetzen, die von oben auf die flüchtenden Fans tropfte. Viele der Toten hätten trotzdem gerettet werden können – wenn nur die Ausgänge nicht versperrt gewesen wären. Die meisten Opfer waren vor geschlossenen Eisen-Drehkreuzen in tödliche Fallen gelaufen.

Das als »Valley Parade Fire Disaster« in die Fußball-Geschichte eingegangene Drama jährt sich heute zum 25. Mal. In Bradford werden Tausende den Toten gedenken – und auch den Helden. Die Geschichte vom 11. Mai 1985 ist auch eine der menschlichen Nächstenliebe. Fußballer, die Zuschauern auf den sicheren Rasen halfen und sich dabei selbst starke Verbrennungen zuzogen. Junge Hardcore-Fans, die brennenden Rentnern die Flammen auf Köpfen und Jacken löschten und kleine Kinder aus der Gefahrenzone schafften. »Ich sah junge Punks, die sich schon gerettet hatten und noch mal auf die brennenden Tribünen liefen, um anderen Fans zu helfen«, erinnert sich Joyce Reisner. Auch sie wird heute in Bradford sein, gemeinsam mit ihrem Mann, der ein Denkmal für die Toten gestaltete. Die Skulptur steht in zweifacher Ausführung jeweils vor dem Rathaus von Bradford und Hamm. Die Hilfe der Mitbürger und entsetzten Zuschauer vor dem Bildschirm war schon wenige Tage nach der Katastrophe einzigartig. 48 Stunden nach dem Brand hatte man bereits einen Hilfsfond eingerichtet. Als Folge aus den unzähligen Verbrennungsopfern richtete die University of Bradford die »Plastic Surgery and Burns Research Unit« ein – heute gehört die Spezialklinik für Hauttransplantationen zu den besten der Welt. Mit sichtbaren Erfolg. Joyce Reisner erzählt die Geschichte einer Frau, die am 11. Mai 1985 mit zehn Jahren von Kopf bis Fuß schwerste Verbrennungen erleiden musste – inzwischen arbeitet sie als Stewardess bei der Fluglinie KLM.

Wie viele seelische Narben das Desaster von Bradford hinterlassen hat, kann 25 Jahre danach niemand sagen. Martin Fletcher, der Junge, der vier Familienmitglieder verlor, wurde in den Jahren nach dem Unglück auch seiner Jugend beraubt. Tragödien brauchen Helden und die englische Presse machte Martin Fletcher zum unschuldigen Gesicht der Überlebenden. »Die Presse feierte mich als ´tapfersten Jungen Großbritanniens´, vier Jahre fand ich mein Gesicht beinahe wöchentlich in irgendwelchen Zeitungen.« Das Schicksal hat es dem Fußball-Fan auch später nicht einfach gemacht: Im April 1989 ist der Nottingham-Supporter wieder bei einem Fußball-Spiel. Forest spielt gegen den FC Liverpool. Das Stadion heißt Hillsborough…