FOOTBALL`S COMING HOME... UNSER GELIEBTER FUßBALL AUS DEN UNTEREN LIGEN


Berichte über unseren geliebten Amateur-Fußball aus dem Herzogtum Lauenburg, der Hansestadt Lübeck und der Verbandsliga Süd-Ost... und natürlich aus dem Mutterland des Fußballs...

Montag, 9. März 2009


TSV Siems – TSV Berkenthin 4-1 (2-0)


Der Tabellenzweite brauchte lange, um in diese Begegnung zu kommen. Erst nach vierzig Minuten fiel der Führungstreffer durch Wulf (40.). Bis zu diesem Zeitpunkt war es eine ausgeglichene Partie mit den besseren Möglichkeiten für den Gastgeber.


Berkenthin war bemüht, konnte sich aber keine großen Möglichkeiten herausspielen. Siems-Torjäger Schellhammer (43.) stellte mit seinem Treffer den Pausenstand sicher. Nach dem Wechsel hatten die Hausherren weiter das Match im Griff und kamen durch Wulf (49.) und Safadi (56.) zum schnellen 4-0. Die Gäste steckten aber nie auf und kamen durch Purbs (80.) zum Ehrentreffer.


SV Krummesse – TSV Kücknitz 0-0


Im Rückspiel beim SV Krummesse sahen die Zuschauer das gleiche Ergebnis wie im Hinspiel. Den ersten Rückschlag mussten wir schon beim Warmmachen beklagen, da Mirko verletzungsbedingt kurzfristig passen musste. Von Anpfiff an entwickelte sich ein kampfbetontes und mit vielen Zweikämpfen geprägtes Spiel.




In der ersten Halbzeit waren wir die leicht spielbestimmende Mannschaft und konnten bis in den gegnerischen Strafraum gute Angriffe spielen, doch fehlte uns dort die letzte Konsequenz das Tor zu erzwingen. Doch auch die Gastgeber waren durch ihr schnelles umschalten nicht ungefährlich. In der zweiten Hälfte war es denn der SV Krummesse der leichte Feldvorteile hatte. Wir versuchten aber immer wieder mit gezielten Angriffen doch noch zum Erfolg zu kommen, doch wie auch in Hälfte Eins fehlte die letzte Konzentration und auch das gewisse Quäntchen Glück im Abschluss.



So mussten wir uns alle am Ende mit einem doch leistungsgerechten Unentschieden zufrieden geben. Auf die kämpferische Leistung lässt sich auf alle Fälle aufbauen, nun müssen wir nur versuchen endlich wieder das Glück zu erzwingen, damit wir die nötigen Punkte gegen den Abstieg holen.



SIG Elmenhorst – Lübecker SC 99 3-1 (2-0)


In einer kampfbetonten Partie mit vier Platzverweisen (jeweils zwei auf jeder Seite) siegte etwas überraschend das Schlusslicht aus Elmenhorst. Die Gäste kamen nach Anlaufschwierigkeiten ins Match und vergaben gute Möglichkeiten. Nach dem 3-0 nach der Pause verwalteten die Hausherren den Vorsprung und sperrten sich mit Mann und Maus gegen einen möglichen Gegentreffer. Der LSC konnte durch Knüttel (74.) nur noch das Ehrentor erzielen. Für die Lauenburger trafen Jensen (6., 51.) und Alpers (34.)



KREISKLASSE C

In der Kreisklasse C gewann der SSV Schnackenbek II leicht und locker 6-0 gegen den TSV Sahms II. Für den SSV trafen Guerndt (2), Koch, Ch. Knoop, Perkuhn und Grun. Kampflos (schon zum 2x in dieser Saison) kam die Reserve vom Ratzeburger SV zum Sieg, die Reserve der Rothenhausener sagte die Begegnung ab. So kam der RSV im „Spitzenspiel“ zu drei Punkten am grünen Tisch. Klare Wettbewerbsverzerrung dann in der Begegnung BSSV IV – SV Müssen II. Der Tabellenführer „verlor“ gegen den Drittletzten glatt mit 0-3, denn die Müssener Zwote wurde ordentlich von Spielern der spielfreien „Ersten“ unterstützt (siehe Bericht).


BSSV IV – SV Müssen II 0-3

Die Sportfreunde aus Müssen schicken zum größten Teil die 1. Herren nach Siebeneichen! An diesem Spieltag sollte man eigentlich gegen die II. aus Müssen spielen, doch in der Startaufstellung standen 8 Spieler, die sonst in der 1. Mannschaft spielen. Die Vierte trat nicht in Bestbesetzung an und konnte in der 1. Halbzeit gut mithalten. In Halbzeit Zwei ließen dann mehr und mehr die Kräfte nach und Müssen konnte schließlich die Tore erzielen.

Ich habe eigentlich auch wenig Lust, hier über das Spiel zu schreiben. Vielmehr ärgert mich, dass der Gast aus Müssen wahrscheinlich zu den nächsten Spielen der 2. Mannschaft keine komplette Mannschaft stellen kann, da die Personaldecke sehr eng ist. Gerüchte über eine Abmeldung der Mannschaft gab es ja bereits in der Winterpause. Dann schicken sie lieber die Erste, die spielfrei hatte, um das Bild in der C-Klasse schön zu verzerren.

Wenn ich dann sehe, dass Rothenhausen in Ratzeburg nicht angetreten ist, letzte Woche gegen uns aber 90 Minuten Paroli bieten konnte, überlege ich mir, ob dieser ganze Scheiß mit einer C-Klasse noch Sinn macht. Bin echt stinkesauer!

Aufstellung: 1 Newburn 2 Bartelt 3 Studt 4 Menzel 5 Winkler (C) 6 Stöwe 7 Genseke, St. 8 Petrovic 9 Heger 10 Ullrich 11 Piel 12 Tolle, A. 13 Jaschinski

VERBANDSLIGA SÜD/OST vom SAMSTAG


Eutin 08 – TSV Pansdorf 0-5 (0-3)

Im Kreisderby gelang uns die Revanche für die Hinspielklatsche, und das in beeindruckender Manier. Nach kurzem Abtasten übernahmen wir das Kommando, kamen gut in die Zweikämpfe und hatten bereits in der 8. Minute die erste Großchance durch Alex Weiss, der den Ball nach schöner Einzelleistung mit seinem schwächeren rechten Fuß an den Querbalken setzte.


Die verdiente Führung fiel glücklich, eine Freistoßflanke von Sinisa Galusic wurde länger und länger und senkte sich hinter dem verdutzten Keeper der Gastgeber ins Netz (17.). Wir setzten sofort nach, Lars Wulf brachte die nächste Flanke in den 16er, ein Eutiner Verteidiger legte maßgerecht auf und Alex Weiss ließ sich nicht zweimal bitten, 2:0 (19.). Jetzt hatten wir die nötige Sicherheit, um nicht nur gradlinig sondern auch teilweise sehr gefällig zu spielen. Nach einer tollen Kombination über Danny Stau vollstreckte Timo Kirstein (31.) zum Halbzeitstand. Die zweite Halbzeit begann mit einem leichten Aufbäumen der Eutiner, in der 46. Minute musste Jens Rathje einen 16m-Schuss parieren, der so ziemlich die einzige Torgefahr der Gastgeber während der gesamten Spielzeit bedeutete. Wir standen sehr kompakt und konnten den Gegner im Verlauf des Spiels weiter erfolgreich von unserem Strafraum fernhalten.


In den letzten 20 Minuten steigerten wir dann unsere Offensivbemühungen wieder und kamen nach einem Pfostenschuss von Timo Kirstein (74.) zu weiteren Toren durch Malte Dogs nach Kopfballverlängerung von Nils Reimann (81.) und Andre Albrecht, der einen Pass von Finn Wenske aufnahm, den Keeper ausspielte und sicher vollstreckte (89.). Toller Abschluss eines fast perfekten Fußballtages.

Sonntag, 8. März 2009


Oldenburger SV – TSV Lensahn 1-0

Nach den Derby-Niederlagen gegen Pansdorf, Eutin und Lensahn konnte unsere erste Mannschaft durch einen Hasler-Treffer einen enorm wichtigen 1:0-Erfolg gegen den TSV Lensahn feiern.

In einem kampfbetonten Spiel legte Lensahn zunächst los wie die Feuerwehr. Dabei war zu merken, dass die Lensahner bereits am vergangenen Wochenende in den Punktspielbetrieb zurückgekehrt waren. Unserer Elf merkte man die fehlende Spielpraxis noch an. Doch nach einer Viertelstunde fand unsere Mannschaft besser ins Spiel und ließ nicht mehr viel zu. Zwar erspielte man sich vorne auch nicht die ganz großen Chancen, erarbeitete sich aber doch eine Feldüberlegenheit.

Kurz nach der Halbzeit stand die Partie dann kurz vor dem Abbruch, als Emmrich nach einem Kopfballduell zu Boden ging und mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus musste. Doch schon am Abend war er auf dem Weg der Besserung und konnte am Sonntagnachmittag wieder nach Hause. Nach diesem Schock stand unsere Mannschaft zunächst unter selbigem, legte dies aber dann wieder ab und konnte nach einer Reise-Ecke durch Hasler den umjubelten Siegtreffer vor über 200 Zuschauern erzielen.


FC Dornbreite - SV Eichede 1-1 (1-0)


In einem spannenden Spiel mit drei Platzverweisen kamen die Zuschauer voll und ganz auf ihre Kosten. Der Tabellenführer hatte mehr Spielanteile, der FCD zeigte aber großen Einsatzwillen und hielt immer dagegen. So war die Pausenführung nicht unverdient, nach einem Freistoss von Torsten Asmussen (18.) vollendete Sascha Hagen per Kopf.


Nach dem Wechsel gelang Kevin Kranik (56.) schnell der Ausgleich. In der folgenden Rangelei musste der Torschütze dann wegen einer Tätlichkeit vorzeitig zum Duschen. In der Folgezeit fand der SVE in Keeper Jan Pekrun immer seinen Meister, der Gastgeber blieb durch Konter ebenfalls stets gefährlich. Jascha Strehlau (75.) und Naim Osmani (84.) folgten Kranik dann ebenfalls in die Kabine, beide sahen wegen wiederholten Foulspiels die Gelb/Rote Karte. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Team. Die Einstellung und der Kampf war spitze, den Punkt haben wir uns redlich verdient“, bilanzierte FCD-Trainer Gero Maaß nach dem Spiel.



FCD: Pekrun – Asmussen, Eker, Hagelstein (80. Brückner), Jasek, Hagen, Lüthje, A. Malla, Mecker, Sare (90. Lamb), Strehlau


SVE: Lindtner – Fischer, Marwege, Jakob Rienhoff, Barsuhn, Buchholz, Kranik, Maltzahn, Osmani, Schildberg (71. Fahrenkrug), Wagner


VfL Oldesloe – Sereetzer SV 0-3 (0-1)


Erste Pleite für den VfL nach sieben Siegen in Serie. Der VfL agierte über die gesamte Spielzeit viel zu passiv, hatte durch Ibrahimi erst knapp zehn Minuten vor Schluss mit einem Pfostenschuss die größte Chance. Die erste Halbzeit war geprägt von zahlreichen Mittelfeldaktionen, mit der ersten Möglichkeit erzielte Hasko Behrens (44.) die knappe Pausenführung.


Nach der Pause spielte der SSV diszipliniert weiter und in der Abwehr sicher. Christopher Strunck (80.) stellte die Weichen mit einem perfekt abgeschlossenen Konter auf Sieg, Sebastian Wenchel hatte vorbereitet. Florian Gehrmann (89.) vollendete zum Endstand. Überschattet wurde die Partie von der schweren Verletzung von VfL-Stürmer Dennis Schönfeldt, der mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins Krankenhaus kam.


Oldesloe: Brinkmann – R. Arndt, Fischer, Koch (80. M. Kuhlke) – P. Schönfeld, Grundt, Jobmann, Lefler, Wetendorf (46. Ibrahimi) – P. Baasch, D. Schönfeld (80. Olufs)


SSV: Müller – Aktürk, Behnke, Ahrens – Ullrich, Baetge (75. Jahrling), Jobst, Nowitzki (75. Müller), Strunck – Behrens, Wenchel (85. Gehrmann)


ATSV Stockelsdorf – AKM Lübeck 0-2 (0-0)



In einem äußerst schwachen Spiel mit wenigen Torchancen entführen die Gäste drei wichtige Punkte gegen den Abstieg. Über 90 Minuten boten beide Teams kein Verbandsliga-Niveau, am Ende war AKM einfach abgebrühter. Samyan Malla (55.) traf nach torloser erster Halbzeit zur Führung, ein äußerst zweifelhafter Elfmeter (88.) verwandelte der kurz zuvor eingewechselte Hakan Ergel zur endgültigen Entscheidung. Die strittige Elfmeterentscheidung brachte Christian Lorentzen dann noch die Rote Karte ein. „In diesem wichtigen Spiel waren wir heute einfach nicht in der Lage, das Spiel positiver zu gestalten. Das war heute gar nichts, ein herber Rückschlag“, war ATSV-Manager Markus Höppner maßlos enttäuscht.


ATSV: Buschmann – Lorentzen, Rohkohl (46. Kuhlmann), Kummerow (50. Voß), Fialkowski – Rohloff, P. Möller, Wohlfahrt, Nic. Schulz (68. Phemer) – Akar, Pöpping


AKM: Ciesler – Ci. Kara, Sagwan, Ce. Kara, Kohlmann (82. Zehir) – Eren, Erenkaya, Berisha, Moray (80. Ergel) – Malla (70. Sayilgan), Alioglu


GW Siebenbäumen – Preußen Reinfeld 2-0 (0-0)



Spät, aber hoch verdient kamen die Grün-Weißen zum fünften Heimsieg in Serie. Im ersten Durchgang war die Partie noch recht ausgeglichen, nach dem Wechsel spielte aber nur noch der Gastgeber. Mit einem wahren Sturmlauf gegen jetzt komplett defensiv eingestellte Gäste, denen nicht ein einziger Torschuss gelang, wollte die Salomon-Elf endlich die Entscheidung. Vier Minuten vor Ende wurden sie endlich belohnt, Riza Karadas erzielte das lang ersehnte Tor. In der Nachspielzeit (90+2) traf Muersat Morena zum Endstand. Zwei Minuten zuvor ballerte Ove Schulz einen Elfmeter über das Tor.


GWS: Harder – Starke, Goebel, Vahl, Bremer - Putzier (57. Ali), Jäkel (70. Mayungululu), Borja (57. Steinfeld), Schulz – Morina, Karadas


Preußen: Rönnfeld – M. Beeck, T. Beeck, To. Kutschke, Heinemann, Müggenburg (70. Rosin), Döhring, Mastrini, A. Kutschke, Sindi, Zeka



Freitag, 6. März 2009

Leeds-Legende Eric Cantona


Ohh! Ahh! Cantona...!

Noch heute rätseln England im Allgemeinen und Leeds im Besonderen über Eric Cantona. War dieser Mann ein Choleriker, ein Ekelpaket, ein Borderliner? Ein Anführer, ein Genie, der König des Fußballs? Oder alles zugleich?

Er trug das Trikot mit der 7, der Nummer der Irren. Und als wäre das nicht Signal und Stigma genug gewesen, klappte er auch noch den Kragen hoch. Und dann dieser abschätzige Blick auf den Gegenspieler, dieser gockelhafte Gang! Für wen hielt sich dieser Mann eigentlich? Ganz einfach für den Größten. Und seine Bewunderer sagen: Er hatte Recht. Sie nennen ihn »Le Roi«, den König.

Sieht man Eric Cantona heute, etwa ein Jahrzehnt nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn, mit langem Haar, Vollbart und dem Ansatz einer Wampe, fällt in seiner Erscheinung so ziemlich alles zusammen, was man dekadent nennen kann. Ja, er ist immer noch ein König, ein Südseekönig allerdings. Aber auch einen guten Schriftsteller würde er abgeben - sagte er doch selbst einmal, er sei ein Poet, ein Künstler, ja: ein Philosoph.


Dieser »Philosoph« sah noch aus wie ein Philosophiestudent, als er im August 1987 das Tor bei der 1:2-Niederlage gegen Deutschland schoss. Wenig später führte er die U21 zum Europameistertitel. Ein junger Killer war er, der mit kaum mehr als dem, was nötig war, killte. Er trat aus vollem Lauf auf den Ball, und während die Verteidiger staunend hinfielen, schoss er ihn ins Tor, dass er das Netz zerriss. Noch stand Cantona beim AJ Auxerre unter Vertrag, schon ein Jahr später wechselte er zu Olympique Marseille, dem Lieblingsverein seiner Jugend. Obwohl er traf wie am Fließband und französischer Meister wurde, war diese Zeit dort keine segensreiche. Schon in dieser Frühphase seiner Laufbahn offenbarte sich nämlich Cantonas unzähmbarer Jähzorn: Bei einem Freundschaftsspiel gegen Torpedo Moskau schmetterte er sein Trikot zu Boden. Die Funktionäre sahen die Vereinsehre beschmutzt, und kurzerhand entließen sie ihn.

Auch der französische Nationaltrainer Henri Michel schmiss ihn hinaus. Cantona hatte ihn so wüst beleidigt, dass sogar die Marseiller Vorstädte erröteten. Einzig in Montpellier glaubte man noch an ihn und war bereit, über seine Wutausbrüche hinwegzusehen. Zum Dank schenkte er dem Verein den französischen Pokal. Auch Michel Platini sah, dass Eric Cantona ein genialer Spieler war. Er war ja selbst einer gewesen und holte ihn in die Nationalmannschaft zurück. Für Cantona kein Grund zur Demut: Er prügelte sich in der Kabine mit einem Mannschaftskameraden, der ihm blöd kommen wollte, und wurde erneut gesperrt. Wenn aber der Ball in der Nähe war, killte der junge Killer derart konsequent, dass Marseille ihn zurückholte. Dort wurde er Meister und Pokalsieger, musste sich aber nach einer schweren Knieverletzung hinter dem Altmeister Klaus Allofs anstellen. Das hielt er nicht aus und ging zum Ligarivalen Olympique Nimes. Alsbald folgte der nächste Ausraster: Er warf einem Schiedsrichter den Ball ins Gesicht und wurde für einen Monat suspendiert.



Zuviel für ihn: Er bezeichnete die Sportrichter als »Idioten«. Als man die Strafe daraufhin verdoppelte, erklärte er seinen Rücktritt vom aktiven Fußball - mit nur 25 Jahren. Oft, zu oft hat Eric Cantona in seiner Karriere die Contenance verloren. Oder hatte er sie niemals besessen? Hätte er damals die Brocken tatsächlich hingeschmissen, man die Franzosen würden sich wohl an ihn erinnern, wie wir uns hierzulande an Wolfram Wuttke, an Andreas Sassen vielleicht oder an Jan Simak - Spieler allesamt mit riesigem Potenzial, die aber abseits des Platzes solche Schwierigkeiten hatten, dass sie uns nicht als Champions im Gedächtnis bleiben, sondern als Gescheiterte. Es ist wiederum Michel Platini zu verdanken, Cantonas großem Förderer, dass es dazu nicht kam. Er überredete ihn weiterzumachen und fädelte einen Wechsel nach England zu Leeds United ein.

Und dort begann jenes zweite Kapitel, an dessen Ende Cantona eben nicht in der endlosen Liste der Abgebrochenen stand. Vielmehr stieg er auf zu den genialen Grenzgängern des Spiels, zu Garrincha, Best und Maradona. In Leeds - in einer Mannschaft mit den schottischen Veteranen Gordon Strachan und Gary McAllister - wurde aus ihm, den bislang nur das Killen interessiert hatte, ein Führungsspieler. Doch er führte seine Mannschaften nicht zu irgendwelchen Siegen in irgendwelchen Spielen, die bald wieder vergessen sein würden. Er machte aus ihnen auch keine einträchtige, integere Gemeinschaft. Cantona führte sie in den Wahnsinn, in die Brillanz und über sich hinaus. 1992 errang er mit Leeds die englische Meisterschaft.



Und als er im Endspiel um das »Charity Shield« den FC Liverpool mit hochgeklapptem Kragen und einem Hattrick zur Strecke brachte, begannen die Fans an der Elland Road, jenen Schlachtruf anzustimmen, der all das Entzücken ballte: »Ooh! Aah! Cantona!« In der nächsten Saison besang man ihn schon im Old Trafford. Auf Anhieb gewann Eric Cantona auch mit Manchester United die Meisterschaft und war damit der erste Spieler in der Geschichte des englischen Fußballs, dem dies in zwei aufeinander folgenden Spielzeiten mit verschiedenen Teams gelungen war. Da es überdies der erste Triumph für ManU seit 26 Jahren war, hoben die Fans ihn auf den Sockel, der seit dem Abtritt von George Best verwaist gewesen war. Oder sprang Cantona von selbst hinauf? Er klappte den Kragen hoch, und es war ihm ein Leichtes, die neue Integrationsfigur zu sein. Der junge Roy Keane wuchs an ihm, und es nimmt nicht Wunder, dass auch er ein Spieler wurde, den man nur lieben oder hassen kann. Zusammen errangen sie auch 1994 die Meisterschaft. Cantona schoss 18 Tore in dieser Saison, und beim 4:0-Sieg über den FC Chelsea im FA-Cup-Finale hämmerte er zwei Elfmeter mit einer derartigen Kaltblütigkeit in die Maschen, dass Gegner wie Mannschaftskameraden in Ehrfurcht erstarrten. Alle zusammen wählten sie ihn zum Spieler des Jahres.

Doch auch in Manchester schlug er über die Stränge: Bei einem Auswärtsspiel bei seinem Ex-Club Leeds bespuckte er einen Fan, in Istanbul schnitt er erst dem Unparteiischen die Ehre ab und prügelte sich dann mit der türkischen Polizei. Als er im letzten Qualifikationsspiel zur WM 1994 mit der französischen Nationalmannschaft daheim in Paris mit 2:3 verlor und ausschied, versetzte er in den Katakomben einem Journalisten, der ihn nach seine Gefühlen gefragt hatte, einen solchen Schwinger, dass dieser K.o. ging. Es wird erzählt, dass er sogar seinem Mannschaftskollegen David Ginola zu Leibe rückte, dem er die Schuld am entscheidenden Gegentor gab. Vielleicht hatte er geahnt, dass es seine letzte Chance gewesen war, an einem großen Turnier teilzunehmen. Seinen 43 Länderspielen folgte kein weiteres. Beim Triumph der Equipe Tricolore um seinen Antipoden Zinedine Zidane 1998 war der König nur noch Zuschauer. In Anbetracht der Genialität und des Wahnsinns, des Erfolgs und der Tragik dieses zornigen Mannes schien seine Geschichte kaum noch steigerbar zu sein.



Doch dann kam der 25. Januar 1995. In einem Ligaspiel gegen Crystal Pallace wurde Cantona wieder einmal des Feldes verwiesen. Zu wenig Genugtuung für den Hooligan Matthew Simmons: Als Cantona vom Feld ging, beschimpfte er ihn auf das Übelste. Dieser identifizierte den Schreihals in der Menge, rannte mit einem Mal los, sprang kurz vor der Werbebande ab und streckte Simmons mit einem nie dagewesenen Kung-Fu-Tritt nieder. Alle, die das gesehen hatten, waren fassungslos, in England, in ganz Europa und weltweit. Die FA und die FIFA statuierten ein Exempel und sperrten Cantona für acht Monate. Nur knapp entging er einer Gefängnisstrafe.

Doch schon im März verlängerte die Vereinsführung, die befürchtete, ohne ihn aufgeschmissen zu sein, seinen Vertrag um drei Jahre. Als er am 1. Oktober ins Team zurückkehrte, schoss er prompt ein Tor und führte ManU in der Folgezeit zum dritten Meistertitel in vier Jahren. Als der gute alte Steve Bruce seine Karriere beendet hatte, wurde Cantona sogar Kapitän seiner Mannschaft. Vielleicht war die Binde am Arm der Grund dafür, dass die Saison 1996/97 die ruhigste in Cantonas Karriere war. Vielleicht war es auch das Vorgefühl des Endes: Nur eine Woche nach dem vierten Meistertitel unter seiner Führung erklärte er vollkommen unerwartet seinen Rücktritt.


Er hatte Manchester United nach vielen Jahren des freudlosen Dahindümpelns zu einer Spitzenmannschaft geformt. Und nicht David Beckham, Roy Keane oder Paul Scholes, die Championsleague-Sieger von 1999, auch nicht George Best, seinen großen Vorgänger, wählten die Fans zum größten ManU-Spieler aller Zeiten. Nein, Cantona wählten sie, ihren König mit dem hochgeklappten Kragen. In den Jahren danach entdeckte Eric Cantona seine Leidenschaft für den Beachsoccer. Er trug maßgeblich zum Aufbau einer professionellen Struktur in Frankreich bei, und 2005 gewann er, dessen Nationalmannschaftskarriere so unrühmlich verlaufen war, als Spielertrainer die Weltmeisterschaft. Mit dem Pokal in der Hand und den Füßen im Sand sprach der Südseekönig: »Die Ersten sind immer die Ersten. Das ist sehr wichtig für mich.« - und grinste.

Erfolge:

U21 Europameister (1988), französischer Meister mit Oly. Marseille (1989,1991), französischer Pokalsieger mit Marseille (1989) und HSC Montpellier (1990), englischer Meister mit Leeds United (1992) und Manchester United (1993, 1994, 1996, 1997), englischer Pokalsieger mit Manchester United (1994, 1996)