FOOTBALL`S COMING HOME... UNSER GELIEBTER FUßBALL AUS DEN UNTEREN LIGEN


Berichte über unseren geliebten Amateur-Fußball aus dem Herzogtum Lauenburg, der Hansestadt Lübeck und der Verbandsliga Süd-Ost... und natürlich aus dem Mutterland des Fußballs...

Freitag, 19. Dezember 2008


S wie "screamer"


"Mosside Boyd By Screamer" lautete eine Überschrift im "Daily Mirror" am 17.10.2006. Was heißt das? Der Artikel berichtete von einem Spiel in der irischen Liga, welches der Club Mosside 2:1 gegen Derriaghy Village gewonnen hatte. Der Schütze des 2:1 hieß mit Nachnamen Boyd, worin der Redakteur ein Sinnbild des Spiels sah: Der Treffer von Boyd war wie eine Boje ("buoy" - Verb: "buoyed" das "u" spricht man nicht mit), die das Team nach einem frühen Rückstand wieder nach oben trieb. Und der "Screamer"? Man nimmt an, dass der gute Herr Boyd sich nach dem Tor einmal richtig die Seele aus dem Leib geschriehen hat. Stimmt aber nicht. Ein "screamer" ist ein strammer Schuss, ein Strich, eine Rakete – benannt nach dem schrill schreienden Geräusch einer Haubitze ("Howitzer"). Verwechseln Sie jedoch bitte weder den "screamer" noch die "Howitzer" mit dem "howler". Ein "howler" ist kein fulminantes Tor, sondern eine versemmelte Hunderprozentige (siehe "sitter"). Manchmal ist die englische Sprache wirklich zum Heulen.


T wie "tapping up"


Der Ausdruck "to tap up" ist eine relativ neue Bereicherung des englischen Fußballwortschatzes. Er bezeichnet jenen Vorgang, wobei ein Spieler oder sein Agent ohne Mitwissen seines derzeitigen Arbeitgebers Kontake mit einem neuen Club knüpft. Populär wurde der Ausdruck vor allem während des Skandals um den damaligen England- und Arsenal-Verteidiger Ashley Cole, "who was tapped-up by Chelsea". Ein "tap" ist ein Wasserhahn, "to tap somebody for cash" heisst, sich etwas Geld zu pumpen. "Tapping" kann auch "anklopfen" heissen. Da beim "tapping up" immer eine Menge Geld und ein paar Holzköpfe mit im Spiel sind, befindet sich der Sinn dieser neuen Kreation wohl irgendwo in der Mitte.


T wie "Tinkerman"


Ob der Chefetage von Juventus Turin bewusst ist, dass sie mit Claudio Ranieri einen "Tinkerman" als neuen Trainer verpflichtet haben? So nannte man Ranieri auf jeden Fall während seiner Zeit bei Chelsea London. Ein "Kesselflicker" im wahren Sinne des Wortes war Ranieri zwar nicht, dafür bastelte der grauhaarige Italiener fast vor jedem Match an einer komplett neuen Mannschaftsaufstellung: "Ranieri likes to tinker with the team-sheet".


T wie "telegraph a pass"

Die konservativste seriöse Tageszeitung auf der Insel ist der "Daily Telegraph". Wenn ein Reporter jedoch auf der Sportseite des "Telegraphs" schreibt, dass Steven Gerrard in einer aussichtsreichen Position seinen Pass "telegraphiert" hat, dann verweist er damit weder auf seine eigene Publikation, noch will er sagen dass der Pass so hoch und weit wie ein Telegraphenmast flog. "To telegraph a pass" heisst, einen Pass so offensichtlich und unkreativ zu spielen, dass er leicht von der Abwehr abgefangen werden kann. Da hätte Steven Gerrard auch gleich ein Telegramm an den Verteidiger schicken können.


W wie "winker"


Zum Abschluss ein Schimpfwort. Wenn englische Fans "The referee’s a wanker" singen, dann kommentieren sie nicht des Schiris unsicheren, wankenden Gang, sondern unterstellen ihm, dass er eine Vorliebe für die Masturbation pflegt. "To wink" heisst eigentlich ganz unschuldig "zwinkern". Als Wayne Rooney allerdings im Viertelfinale der WM 2006 vom Platz gestellt wurde, und sein ManU-Teamkamerad Christiano Ronaldo hinterlistig seinem Trainer zuzwinkerte, war dem Schlussredakteur der "Sun" der Unterschied zwischen den beiden Wörtern egal. Über einem Bild von Ronaldo stand am nächsten Tag: "What a winker". Ein Jahr nach dieser Überschrift hat sich der junge Portugiese wieder ins Herz der Briten gespielt. Anstatt vom "little winker" schreibt die Boulevardpresse nur noch liebevoll von "Ron".


ZUR PERSON

Philip Oltermann, Jahrgang 1981, ist vor den Toren Hamburgs aufgewachsen, lebt aber seit rund zehn Jahren in England. Dort Schulabschluss und Studium in Oxford und London. Zurzeit freier Journalist und Literaturkritiker, unter anderem für "The Times", "The Independent", "The Guardian" und "Prospect". In der Nacht vor dem 1:5 in München geträumt: Deutschland gewinnt 3:0 gegen England, Gerald Asamoah schießt alle drei Tore.